Scharteucke (püt). Das denkmalgeschützte Gutshaus von Scharteucke wird am 23. August 2018 in Dresden versteigert. Das Mindestgebot liegt bei 9.000 Euro.

Wie an anderen einst herschaftlichen Gebäuden in den kleinen Ortsteilen der Einheitsgemeinde Stadt Jerichow hat der Zahn der Zeit auch am ehemaligen Gutshaus von Scharteucke sichtliche Spuren hinterlassen. Seit 2008 unbewohnt, zeigt sich dem Betrachter ein stark sanierungsbedürftiger Zustand. Durch das undichte Dach entstanden am Mauerwerk und Innendecken Nässeschäden. Die wichtigste, schützenswerte Ausstattung scheint die neogotische Holzdecke im Saal. Das „Schloss“, wie es die Einwohner von Scharteucke liebevoll nennen, bietet eine Wohnfläche von 1.000 Quadratmetern. Die einst zugehörigen Wirtschaftsgebäude wurden bereits vor langer Zeit verkauft und zu Wohnhäusern ausgebaut oder abgerissen. Um den Verfall des Gutshauses nicht weiter untätig mit ansehen zu müssen, entschied sich die Einheitsgemeinde Stadt Jerichow nun zur Versteigerung der Immobilie samt 4.507 Quadratmetern Gutspark.
Hierzu informierte Bürgermeister Harald Bothe den Jerichower Stadtrat auf seiner Sitzung am 24. Juli 2018. Die öffentliche Versteigerung des Scharteucker Gutshauses liegt in den Händen der Sächsischen Grundstücksauktionen AG. Am Donnerstag, 23. August 2018 kann im Hotel „Elbflorenz“ in Dresden ein jeder zum „Schlossbesitzer“ werden. Mindestens 9.000 Euro müssen jedoch geboten werden. Das Gutshaus, das Ende des 18. Jahrhunderts entstand, war einst Teil des Ritterguts Scharteucke. Welch wichtiger Zeitzeuge das Gutshaus ist, zeigt ein Blick in die Geschichte des kleinen Dorfes. Wie die Dorfkirche, die direkt am Gutshaus grenzt, spielt auch hier die Familie von Tresckow eine bedeutende Rolle. Diese ließ sich 1747 als Besitzer des Rittergutes in Scharteucke nieder. Im 19. Jahrhundert gehörte der Familie von Brauchitsch das Rittergut. In der gepflegten Grabanlage sind noch vereinzelt ihre Namen zu erkennen. Berühmtester Nachfahre der Scharteucker Gutsherrenfamilie war der Rennfahrer und Sportfunktionär Manfred von Brauchitsch. Er erhielt mehrere Auszeichnungen. Manfred von Brauchitsch wurde 97 Jahre alt. Wer sich nun mit der Ersteigerung am 23. August 2018 des Scharteucker Gutshauses annimmt, bleibt abzuwarten.
Verständlich sind hier die Sorgen und Wünsche der Einwohner des kleinen Dorfes. Vielleicht gibt es ihn ja doch, den einen, der das Scharteucker „Wahrzeichen“ aus dem Dornröschenschlaf holt und in altem Glanz erstrahlen lässt.