Genthin (lau). Traurig, wütend, enttäuscht – oder einfach alles gleichzeitig. So fühlen sich aktuell die Tierschützerinnen und Tierschützer in Genthin. Ein Katzenleben ist hier offenbar nichts wert.

Der Genthiner Tierschutzverein musste schon so einiges miterleben: Von aufgestellten Tellerfallen bis zu ausgesetzten Katzenfamilien. Doch was sich nun wieder in der Kanalstadt ereignete, führt zu Entsetzen bei allen Tierliebhabern. Am 20. September 2017 wurde in Genthin, geraderüber von der Freiwilligen Feuerwehr, ein Kater mitten auf der Straße gefunden. Vermutlich wurde er angefahren und einfach liegengelassen. Aus eigener Kraft konnte er die Fahrbahn nicht verlassen. Niemand weiß, wie lange er dort lag, in panischer Angst vor den dicht vorbeifahrenden Autos. Eine ältere Dame hat das Tier gesehen, sich seiner angenommen und nach Hilfe gesucht.
An dieser Stelle müsste das Ordnungsamt der Stadt Genthin aktiv werden. In einem Pressebericht vom November 2016 heißt es, dass die Stadt verantwortlich ist für Fundtiere - für Katzen vor allem dann, wenn sie verletzt sind. Das Ordnungsamt müsse das Tier in Obhut des Tierasyls Zabakuck geben und für eine medizinische Versorgung aufkommen. Zumindest ist es theoretisch so. Im Fall von Konrad – so wurde der verletzte Kater getauft – war das Ordnungsamt jedoch alles andere als hilfreich. Eine Aufnahme in das Tierasyl und die Übernahme der Behandlungskosten wurden abgelehnt. Stattdessen kamen einmal mehr die ehrenamtlichen Tierschützerinnen und Tierschützer zum Einsatz. Konrad wurde zum Tierarzt verbracht, der das Tier außerhalb seiner Sprechstundenzeit untersuchte. Das erste Röntgenbild sah zunächst gut aus, der vermutete Beckenbruch konnte nicht bestätigt werden. Der Kater war jedoch stark untertemperiert, wurde mit Schmerzmitteln und Infusionen behandelt und mit Spezialnahrung versorgt. Konrad kam dann zu einer lieben Tierfreundin, die ihn privat aufnahm und versorgte. Alle Daumen waren gedrückt. Tag für Tag fieberten die Mitglieder des Tierschutzvereins mit und hofften auf eine schnelle Genesung.
Leider hat Konrad es nicht geschafft. Die inneren Verletzungen waren so stark, dass nur noch ein Weg blieb: Der Kater musste erlöst werden. Die Reaktionen der Tierschützerinnen und Tierschützer waren traurig und aufbauend zugleich: „Er war bestimmt sehr dankbar dafür und musste den letzten Weg nicht allein gehen.“, „Wenigstens konnte er in seinen letzten Tagen noch etwas Liebe empfangen.“, „Ihr habt ihn von der Straße geholt und dafür war er sicherlich dankbar.“
Begleitet wird die Trauer um den verlorenen Kampf von einer großen Beschämtheit – über das offensichtliche Wegschauen seitens des Ordnungsamts. Es gehe hierbei nicht um den finanziellen Aspekt. Der Tierschutzverein wird die Kosten für die Behandlung schon irgendwie stemmen, schließlich konnte er das Tier nicht einfach liegen lassen. Es gehe vielmehr um ein generelles Prinzip, um ein Tierschutzgesetz. Dies sei traurig, da hier wiederholt zu vermuten ist, dass ein Katzenleben in der Genthiner Kommunalpolitik als nicht wertvoll genug angesehen werde. Dass die Katze nicht jedermanns Lieblingstier ist, das ist vielleicht noch verständlich. Dass sich die Stadt jedoch nicht an ihre eigenen Aussagen hält und ein Tier lieber jämmerlich sterben lässt, das sei schockierend.
Schon des  Öfteren beschwerten sich Bürgerinnen und Bürger in der Vergangenheit beim Tierschutzverein über das zum Teil rigorose „Abwimmeln“ bei der Meldung an das Ordnungsamt. Dabei baten sie einfach nur um Hilfe für Lebewesen. Auch der Verein versuchte zu dem aktuellen Vorfall eine Email an die zuständigen Behörden der Stadt zuzustellen. Trotz Hinweis auf die Problematik und Einschalten des EDV-Verantwortlichen war die Zustellung unmöglich. Neun Tage wurde versucht, die Mail zu schicken. Es blieb letztendlich nur der postalische Weg - Und für die Tierschützerinnen und Tierschützer die Frage: Ein Kalkül seitens der Verantwortlichen? Bis zum 4. Oktober 2017 gab es jedenfalls seitens der Stadt keine Rückmeldung an den Verein. „Vielleicht war ja Konrads Tod nicht umsonst, vielleicht denken die Verantwortlichen doch mal um, vielleicht war das die Botschaft, die Konrad für uns Menschen hatte: die Hoffnung stirbt zuletzt“, so die enttäuschten Vereinsmitglieder.